Die letzte grüne Barriere: die Dehesa, die Transhumanz und der jahrtausendealte Pakt mit dem Land

Die letzte grüne Barriere: die Dehesa, die Transhumanz und der jahrtausendealte Pakt mit dem Land

Publicado el03/05/2026
Die letzte grüne Barriere: die Dehesa, die Transhumanz und der jahrtausendealte Pakt mit dem Land

Quelle: https://www.epochtimes.es/noticias/la-ultima-barrera-verde-la-dehesa-la-trashumancia-y-el-pacto-milenario-con-la-tierra-32082.html 

Ernestine Lüdeke spaziert durch die Dehesa wie jemand, der einen zerbrechlichen Schatz hütet: Sie weiß, dass jedes Schaf, das hier weidet, nicht nur Gras frisst, sondern auch den Wald säubert, den Boden düngt und Brände, die alles vernichten könnten verhindert. Von der Fundación Monte Mediterráneo aus verteidigt sie die Transhumanz, ein uraltes System, das Süden und Norden, Biodiversität und Wirtschaft verbindet und sich heute als Schlüssel zur Bekämpfung der Wüstenbildung und der Landflucht erweist. Projekte wie Caminos Trashumantes wollen dafür sorgen, dass dies nicht nur eine Erinnerung bleibt.

 

Die Dehesa, ein Waldweide-Ökosystem, wurde über Jahrhunderte hinweg vom Menschen gestaltet, um die mediterrane Berglandschaft in eine produktive Landschaft zu verwandeln. Das Gestrüpp wurde entfernt und der Baumbestand ausgelichtet, wobei Steineichen und Korkeichen ausgewählt wurden, die Schatten, ein günstiges Mikroklima und Eicheln für die extensive Tierhaltung bieten. Diese ausgewogene Bewirtschaftung hat es ermöglicht, Weideland, Kork, Brennholz und Wild zu nutzen und ein multifunktionales System zu schaffen, das ökologische Nachhaltigkeit mit ländlicher Produktion verbindet.

 Illustratives Bild. JamonSeleccion. Pixabay

 

Spanien beherbergt ein weltweit einzigartiges Ökosystem, das über Jahrhunderte hinweg vom Menschen für verschiedene und sinnvolle Zwecke geschaffen wurde. Die Dehesa, eine agro-silvo-pastorile (landwirtschaftlich-forstwirtschaftlich-weidetierhaltende) Landschaft par excellence, hat die menschliche Tätigkeit zu einer traditionellen Nachhaltigkeit geführt: selektive Jagd, Freilandhaltung, Brennholzeinschlag, Korkgewinnung und Eichelmast, alles im Einklang mit dem Wald und dem Wetter.

Ernestine Lüdeke, Präsidentin der Fundación Monte Mediterráneo, erklärte gegenüber The Epoch Times España, dass die Dehesa ein Agrarökosystem ist, das aus einer ursprünglichen Wildlandschaft, dem mediterranen Hartlaubwald, entstanden ist, der durch Rodung von Gestrüpp und Auswahl produktiver Bäume umgestaltet wurde.

Lüdeke erklärte, dass vor etwa zweitausend Jahren, als die Menschen begannen, sesshaft zu werden, ein Teil des Waldes abgeholzt wurde, wodurch sich unter den verbleibenden Bäumen üppiges Gras entwickeln konnte, das im Sommer Schatten spendete und im Winter ein milderes Mikroklima schuf, zusätzlich zu den Eicheln, mit denen die Schweine gefüttert wurden. Die Menschen begannen so mit der Weidewirtschaft. Nach und nach wurde dieses System perfektioniert, bis es zu dem wurde, was wir heute als Dehesa kennen.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1993 widmet sich die Fundación Monte Mediterráneo dem Schutz, der nachhaltigen Bewirtschaftung und der Förderung des Ökosystems der mediterranen Dehesa. Laut Ernestine ist die Dehesa – die aufgrund ihrer Ähnlichkeit mit der afrikanischen Savanne als letzte Barriere gegen die Wüste gilt – ein äußerst empfindliches Ökosystem. Ihre Vitalität und ihr Gleichgewicht hängen gerade von der ständigen Interaktion zwischen Wildtieren und extensiver Tierhaltung ab, die die Landschaft offen hält, den Boden nährt und die Artenvielfalt bewahrt.

„Da es sich um ein System handelt, das aus so vielen kleinen Elementen besteht, ist es nicht wie zum Beispiel bei einer Wiese und Milchkühen: Die Kühe gehen auf diese Wiese, fressen das Gras und werden im Winter in den Stall gebracht, und das war's. Hier ist es anders. Hier gibt es Gras, das, solange es niedrig ist, von den Schafen gefressen wird.“

„Wenn es dann wächst und höher wird, müssen die Kühe es fressen, denn Schafe fressen kein hohes Gras oder mögen es nicht. Zumindest muss es dann sauber sein, wenn die Eicheln fallen, damit die Schweine Zugang zu ihnen haben und sie fressen können, zusammen mit etwas Gras. Und im Sommer haben wir weder Wasser noch Futter noch sonst etwas. Daraus entstand die Idee, die Schafe zu exportieren“, erklärte Lüdeke.

Ernestine Lüdeke wies darauf hin, dass dies seit tausend Jahren so praktiziert wird und dass Schafe deshalb im Winter und Frühjahr als Landschaftsgärtner benötigt werden, um das Agrarökosystem durch Düngung mit Mist und Bodenbefestigung zu schaffen und zu erhalten, ohne den Boden wie Großvieh zu sehr zu verdichten. Im Sommer hingegen sind sie überflüssig, da es nicht genug Futter für alle gibt, sodass das traditionelle System mit dem nördlichen Gebirge zusammenwirkte.

 

Hier weidet das Vieh unter Eichen, die Schatten spenden und Eicheln liefern. Die Dehesa: Nachhaltigkeit, geschrieben in die Landschaft. Illustratives Bild.

Foto: PABLOGOMEZFOTOGRAFIA von Pixabay.

 

Früher ermöglichte das durch die Transhumanz geförderte System der extensiven Tierhaltung ein perfektes Gleichgewicht zwischen der mediterranen Dehesa und den Bergen im Norden – bestehend aus der Kantabrischen Gebirgskette, den Picos de Europa, dem Iberischen Gebirge und Regionen wie León, Palencia und Zamora. Da es im Sommer auf den Weiden nicht genügend Wasser und Gras für die Tiere gab, waren diese vorübergehend ohne Weidetiere. Deshalb zog die Wandertierherde über Viehtriebwege z.T. sogar königlich geschützt, zu den Bergpässen oder Sommerweiden im Norden, wo sie frisches, dichtes und nahrhaftes Hochlandgras vorfand.

Die extensive Weidewirtschaft, die durch traditionelle Viehzuchtsysteme wie die Transhumanz gefördert wird, wirkt sich positiv auf die Nachhaltigkeit der Ökosysteme aus. Die Herden tragen dazu bei, als natürliche Brandschutzschneisen zu fungieren, indem sie das Gelände von angesammelter Biomasse befreien, die sonst zu einer wichtigen Brennstoffquelle für Waldbrände werden würde, die wiederum durch Dürre und Hitzeperioden begünstigt werden.

Laut Ernestine ist der Hauptfaktor, der derzeit die massiven Brände auf dem spanischen Land beeinflusst, die veränderte Bewirtschaftung der Ökosysteme. Diese ist verloren gegangen, seit die Transhumanz aufgegeben und durch moderne Systeme der extensiven Sesshaftigkeit in der Tierhaltung ersetzt wurde, bei denen es nicht mehr verschiedene Arten von Vieh zu unterschiedlichen Jahreszeiten gibt.

„Die größten Brände des letzten Jahres gab es im Norden, nicht wahr? Das ist sehr ungewöhnlich, denn früher waren es immer hier im Süden, aber letztes Jahr war es im Norden. Und die größte Vernachlässigung der Weide- oder Bergbewirtschaftung findet ebenfalls im Norden statt. Das heißt, dort, wo die Wanderschafe verschwunden sind, sind Millionen und Abermillionen von Schafen verschwunden.“

Die Fundación Monte Mediterráneo hat einen Projekt namens Caminos Trashumantes (Tierwanderwege) ins Leben gerufen, ein Projekt, das sich der Förderung der Transhumanz widmet und die Öffentlichkeit mit dieser extensiven Tierhaltung vertraut machen möchte. Ziel ist es, den Menschen den Wert des lebendigen Kulturerbes dieser jahrtausendealten Praxis sowie die damit verbundenen kulturellen Aktivitäten näherzubringen, die sich auch positiv auf die ökologische und territoriale Nachhaltigkeit auswirken.

Laut der Website des Projekts umfasst die Initiative geführte Touren, Handwerksworkshops, Besuche von Tierhaltungsbetrieben, Bildungsaktivitäten, lokale Messen, Gastronomie und vieles mehr. Alle diese Aktivitäten sind durch einen gemeinsamen Nenner verbunden: die Kultur der Wandertierhaltung und ihr Umfeld.

„Einerseits geht es um Gastronomie, Textilien, Ökologie, Biodiversität, die Landflucht, die berufliche Ausbildung von Hirten und so weiter. Das heißt, es werden viele, viele Themen angesprochen“, erklärt Ernestine.

Projekte dieser Art rücken den Wert der Tradition der Transhumanz in Spanien in den Vordergrund, die weit über eine einfache Praxis der Tierhaltung hinausgeht: Es handelt sich um eine Lebensweise, die zur Gestaltung der ländlichen Landschaft, zur Erhaltung der lokalen Wirtschaft und zur Bewahrung der tiefsten Traditionen des Volkes beigetragen hat.

Die Transhumanz und die traditionelle Bewirtschaftung der Dehesa sind keine Relikte der Vergangenheit, sondern lebendige Instrumente zur Bekämpfung von Wüstenbildung, Massenbränden und ländlicher Entvölkerung. Projekte wie Caminos Trashumantes laden uns ein, uns wieder mit diesem lebendigen Kulturerbe zu verbinden: diese Viehtriebwege zu begehen, die Wolle, das Fleisch und den Käse, die daraus entstehen, zu schätzen und die Hirten zu unterstützen, die noch Widerstand leisten.

Das Gleichgewicht, das dieses Ökosystem über Jahrhunderte hinweg aufrechterhalten hat, hängt von der richtigen Wahl ab: verantwortungsbewusster Konsum, Forderung nach Maßnahmen zum Schutz der extensiven Tierhaltung und zu verhindern, dass die Dehesa zur Erinnerung wird.

Der Schutz der Artenvielfalt, insbesondere das Gleichgewicht und die Nachhaltigkeit der Wildtierarten in der Dehesa, steht ebenfalls ganz oben auf der Agenda der Fundación Monte Mediterráneo. Diese Priorität spiegelt sich sowohl in Initiativen wie dem Bioblitz 2016 wider, der einen bis heute gültigen Rekord an Artenvielfalt verzeichnete, als auch in der täglichen Bewirtschaftung des Ökosystems, wo Praktiken gefördert werden, die extensive Weidewirtschaft, Bodenschutz und den Schutz der einheimischen Fauna miteinander verbinden.

Bioblitz ist eine 24-Stunden-Veranstaltung, die vom Geo Day des National Geographic Magazins inspiriert wurde und bei der die Teilnehmer eine Bestandsaufnahme der Wildtierarten in einem bestimmten Gebiet durchführen. Die Daten wurden in globale Datenbanken aufgenommen und haben einen Rekord in Sachen Biodiversität aufgestellt.

„In 10 Jahren hat uns niemand übertroffen. Das bedeutet, dass wir die größte Biodiversität haben. Und dieser Katalog hat eine wissenschaftliche Grundlage, da ein Team von Wissenschaftlern überprüft, ob das, was gefunden wurde, wirklich das ist, was die Leute sagen. 125 Personen waren 24 Stunden lang im Feld unterwegs, um diese Daten zu sammeln.“

Bioblitz ist eine 24-Stunden-Veranstaltung, die vom Geo Day des National Geographic Magazins inspiriert ist und bei der die Teilnehmer eine Bestandsaufnahme der wildlebenden Arten in einem bestimmten Gebiet vornehmen. Die Daten wurden in globale Datenbanken aufgenommen und haben einen Rekord in Sachen Biodiversität gebrochen.

César Múnera



Über uns

Cargando...